Stadt Solothurn

Brühl-Schulleiterin geht frühzeitig in Pension

Katharina Stebler wird nach 11 Jahren als Schulleiterin und insgesamt 14 Jahren am Schulhaus Brühl frühpensioniert. Über die Schule hinaus hat sie im multikulturellen Quartier einiges bewegt.

Abschied hat sie schon oft genommen. Lehrer kamen und gingen. Hunderte Schüler besuchten das Schulhaus Brühl und zogen mit gefülltem Rucksack weiter. Nun nimmt auch Schulleiterin Katharina Stebler selbst Abschied; Ende Juli geht sie frühzeitig in Pension.
Es endet die Zeit, in der sie nach Feierabend zwar ins Auto stieg, aber trotzdem nicht immer nach Hause fuhr. Irgendwohin unternahm sie manchmal noch eine kleine Autotour, um abzuschalten - von Problemen, die sich bei 200 Schülern aus 21 Nationen, bei fast 40 Lehrerpersonen und bei einem Fremdsprachenanteil von über 70 Prozent ergeben.
Doch wer denkt, da höre jemand resigniert auf, irrt. Von der reformfreudigen «Pionierschule» im Westen Solothurns ist Stebler noch immer begeistert. Es gibt dort seit über 20 Jahren Vollversammlungen, es gab Schulleiter, bevor es das Amt offiziell gab. «Das Brühl ist bekannt dafür, ein Schritt voraus zu sein», so Stebler. Und auch in ihrer Amtszeit kam aus dem Brühl ein Impuls, der über die Schule hinaus weiterwirken wird: Das Quartierentwicklungsprogramm Solothurn West geht auf ihre Initiative zurück.
Über 70 Prozent Fremdsprachige
Doch der Reihe nach: Vor sechs Jahren brachen die Schülerzahlen im Brühl ein. Statt 370 gab es plötzlich nur noch 270 Schüler. Gleichzeitig stieg der Ausländeranteil von 45 auf über 70 Prozent. Vorwürfe prasselten auf die Schule ein: Schweizer Eltern würden wegen des Ausländeranteils wegziehen, hiess es. «Das stimmt nicht. Es gab nicht viele Wegzüge», betont Stebler.
Verändert habe sich aber die Bevölkerungsstruktur im Quartier: Die Schweizer Kinder aus den Ein- und Zweifamilienhäusern waren flügge geworden, ihre Eltern blieben jedoch in den Häusern. Unter Schweizern gab es keinen Generationenwechsel.
Für die Schule wurde das zum Problem, denn gerade die Schweizer Eltern hätten sich enorm engagiert, ihre Mitarbeit etwa im Elternrat war für die Schule wichtig. «Wir waren etwas hilflos», sagt Stebler. Der damalige Integrationsbeauftragte des Kantons, Albert Weibel, habe dann die Idee eines Quartierentwicklungsprojektes angestossen.
Dolmetscher am Elterngespräch
Inzwischen hat das einiges ausgelöst: Es gibt den Weststadt-Quartierverein und ein Quartierzentrum. «Der Stadtteil hat ein Gesicht bekommen», sagt Stebler. Wer heute «Weststadt» hört, denkt nicht nur mehr an Fussballplätze, Ausländeranteil, Badi und Stadtmist.
Probleme gibt es weiterhin: Familien aus Afrika lösten Eltern aus Ex-Jugoslawien, Sri Lanka und der Türkei ab. An Elterngesprächen braucht es schon mal einen eritreischen Dolmetscher und plötzlich kamen Kinder ohne Deutschkennnisse aus Somalia in die Klassen. «Die Kinder integrieren sich rasch, die Eltern bleiben aber manchmal zurück», erklärt Stebler. Lehrer und Kinder seien mit verschiedenen Wertvorstellungen konfrontiert. «Manchmal gibt es für Schüler bei schlechten Noten harte Bestrafungen.» - Eine Herausforderung. «Wer hier arbeitet, muss viel geben.» Absprachen und eine gute Zusammenarbeit im Team seien wichtig.
Trotzdem: «Die Vielfalt ist eine Bereicherung», so die Schulleiterin. Auch bezüglich der Chancengleichheit für deutschsprachige Kinder gibt sie Entwarnung. Wenn der Anteil an Gymnasiasten nicht so hoch sei wie im Fegetz, dann liege das am geringeren Akademikeranteil unter den Eltern, nicht an der Schule. «Wer das Potenzial fürs Gymnasium hat, kam immer hinein.» 2012 hat das Brühl in einer externen Evaluation exzellente Noten erhalten. «Wir haben ein tolles Kollegium», sagt Stebler, die erst mit 39 Lehrerin wurde, und der es wehtat, als sie neben der Schulleitung nicht mehr unterrichten konnte.
Durchmischung könnte besser sein
Bei den Sozialen Diensten, der Politik und bei der Schuldirektion hat die Schulleiterin immer Rückhalt gespürt. Nur wenn es darum geht, Schüler aus anderen Stadtteilen in entferntere Schulhäuser zu schicken, um eine bessere Durchmischung zu garantieren, vermisst sie den politischen Willen. «Aus dem Blickwinkel der Chancengleichheit wäre das nötig», sagt Stebler, fügt a

Autor

az Solothurner Zeitung

Kategorie

  • Stadt Solothurn

Publiziert am

03.07.2013

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